Pressestimmen

Der WDR berichtet:
Passivhäuser – genial und verkannt
 
Das Passivhaus – ein erfolgreiches Energiesparkonzept in der Warteschleife
Obwohl das Wehklagen über die ständig steigende „zweite Miete“ immer größer wird, ist Energiesparen nicht besonders populär. Denn Sparen, das klingt vor allem nach Verzicht – auf all die Annehmlichkeiten, die uns in den letzten 50 Jahren selbstverständlich geworden sind. Zum Beispiel auf wohlige Wärme im Wohnzimmer, während draußen vor der Tür klirrende Kälte herrscht. Dabei müssen wir darauf gar nicht verzichten, meint der Physiker Wolfgang Feist. Er hat ein Haus erfunden, das


Heizung durch Körperwärme
Das besondere am Passivhaus: Statt viel Heizenergie zu verschlingen, heizt es sich fast wie von selbst. Eine lückenlose Isolierung von den Grundmauern bis zum Dach ist deshalb Pflicht. Dieses Konzept der Wärme- dämmung ist eigentlich gar nicht so neu – die Isolierung ist nur etwa 20 Zentimeter dicker als bei einem normalen Haus. Doch das macht viel aus, kombiniert mit zwei anderen Passivhaus-Elementen.

Die Fenster haben eine dreifache Wärmeschutz- verglasung und einen besonders wärmegedämmten Fensterrahmen. Außerdem versorgt eine Lüftungsanlage das ganze Haus mit frischer, gefilterter Luft, je nach Bedarf vorgewärmt durch einen Wärmetauscher, der im Keller steht. Diese Wärmerückgewinnung ist das eigentliche Geheimnis des Passivhauses: Die frische Luft von draußen wird mit der Energie der warmen Luft von drinnen aufgeheizt – so reicht zum Heizen des Hauses beinah ausschließlich die Körperwärme der Bewohner (ca. 100 Watt pro Person), zusammen mit der Restwärme von


Verpasste Chancen
Und Passivhausbewohner sind zufriedene Bewohner – nicht nur weil die Heizkosten wesentlich niedriger liegen als in gewöhnlichen Häusern. Forscher vom Wissen- schaftlichen Zentrum für Umweltsystemforschung der Uni Kassel haben sie in einer Studie befragt. Das Ergebnis: Ginge es nach der Zufriedenheit seiner Bewohner, dann sollte das Passivhaus eigentlich der Star unter den Neubauten sein, doch zur Verwunderung der Kasseler Wissenschaftler wird es selten gebaut. Viele Bauunter- nehmer, Bauherren und Planer haben Vorurteile und beschäftigen sich kaum mit Energiesparkonzepten. Deshalb gibt es bisher nur rund 6000 Passivhäuser in ganz Deutschland.

Mit gutem Beispiel voran: Wird Frankfurt Passivhaus- Hauptstadt? Selbst öffentliche Bauherren denken nur sehr langsam um. Die Stadt Frankfurt ist da eine Ausnahme. Stand ihre Hochhaus-Skyline bisher für eine ganz andere Baukultur, so will die Stadt jetzt Deutschlands Passivhaus- Hauptstadt werden. Vor zwei Jahren entstand hier eine Schule, die sich fast ausschließlich durch die Körper- wärme ihrer Schüler heizt. Seitdem hat ein regelrechter Passivhaus-Tourismus eingesetzt, jede Woche führen die Frankfurter Besucher aus anderen Kommunen durch das
 

90% der Wärmeenergie spart, mit der ein gewöhnliches Haus normalerweise beheizt wird – ein so genanntes Passivhaus.



 
Küchen- und anderen Elektrogeräten. In den Innenräumen sieht man von dieser Anlage fast nichts. Allerdings gibt es keine Heizkörper an den Wänden, Wärme und Luftzufuhr lassen sich über einen einzigen Schalter im Flur bedienen.

Seitdem Passivhaus-Erfinder Wolfgang Feist das erste Passivhaus 1991 selbst bezog, hat sich das Konzept weiterentwickelt. Inzwischen gibt es das Passivhaus in ganz verschiedenen Formen – für jeden Geldbeutel und Geschmack, vom schicken Luxus-Eigenheim bis zum sozialen Wohnungsbau.



 
Schulgebäude. In 30 Jahren wird die Schule fast 600.000 Euro Betriebskosten einsparen – und das mit weniger Haustechnik als gewöhnliche Schulgebäude. Eigentlich traumhaft für die Kommunen, schließlich müssen gerade sie Geld sparen – trotzdem bleiben viele skeptisch. Die meisten halten vor allem die Baukosten für viel zu teuer. Das bekommt auch Passivhaus-Erfinder Wolfgang Feist immer wieder zu hören – dabei hat er dieses Vorurteil in der Praxis längst widerlegt. Nur rund 5% mehr kostet der Bau und Bauherren bekommen auch noch günstige öffentliche Kredite – zum Zinssatz von 1,0%. Für Wolfgang Feist ein Grund mehr daran zu glauben, dass sich das Passivhaus am Ende doch durchsetzen wird, langsam aber sicher, spätestens wenn die Energiepreise weiter steigen.

Autorin: Scarlet Löhrke

Passivhausbewohner äußern sich zu Wohneindrücken
im Passivhaus:
„Wenn es abends draußen wieder kälter wird, bringt mir die Lüftungsanlage eine erfrischende Kühle in die Wohnung. Dadurch kann man besser schlafen“, berichtet Gerd Pommerien, der in einem Passivhaus in Hannover- Linden wohnt. Während sich in anderen Häusern nachts die Hitze staut, füllt die aktive Dauerlüftung die Räume schnell mit Frischluft. Als vor im Juli das Quecksilber in Hannover 33 Grad Außentemperatur anzeigte, war es in Pommeriens Wohnung fast zehn Grad kühler. „In der Wohnung haben wir eine Temperatur von nur 24 Grad gemessen“, so der 41-jährige Lindener.

Auch der Laatzener Klaus Neumann bestätigt den kühlenden Effekt der Passivhaustechnik. „Ich bin sehr froh, dass ich in einem Passivhaus wohne. Denn hier ist
es jetzt eindeutig kühler als in anderen Häusern “, so Neumann. Das Einfamilienhaus in Laatzen verfügt sogar noch über eine zusätzliche Technik, die für Frische sorgt. Denn die Zuluft wird durch einen 40 Meter langen Erdwärmetauscher geleitet, der in einem Meter Tiefe unter dem Haus verlegt ist. In dem Röhrensystem herrscht im Sommer und im Winter fast die gleiche Temperatur. Mit dem Effekt: Im Sommer wird die Luft abgekühlt, bevor sie in die Wohnung kommt, und im Winter wird sie erwärmt. „In den diesjährigen Hitzeperioden war es in unserem Haus mindestens sechs Grad kühler als draußen, obwohl auf das freistehende Haus den ganzen Tag die Sonne scheint“, sagt Neumann.

Passivhäuser liegen im Trend!


Erstes Altenheim nach Passivhaus-Standard in NRW
In Mönchengladbach-Neuwerk steht das erste Altenpflegezentrum des Landes NRW, das in Passivhaus-Bauweise errichtet wurde. Das vom Caritas-Verband Mönchengladbach-Rheydt betriebene Zentrum wurde von dem Büro Rongen Architekten (Wassenberg) geplant. Darüber informierte die Energieagentur NRW, die das innovative Projekt begleitete. "Für den Bauherren sind die geringen Energiekosten ein entscheidendes Argument. Aus Sicht der Bewohner spricht die hohe Wohnqualität für die Passivbausweise", erklärt Professor Rongen.

Die Gesamtkosten für das Projekt betrugen rund acht Millionen Euro. Das Land NRW beteiligte sich mit Fördermitteln in Höhe von 182.000 Euro. "Durch Zuschüsse und Minderaufwendungen - zum Beispiel für eine deutlich kleinere Heizungsanlage - belaufen sich die Mehrkosten für die Passivhausbauweise auf nicht einmal 59.000 Euro", erläutert der Architekt. Dem steht eine jährliche Einsparung durch verminder-ten Heizenergieverbrauch von rund 15.000 Euro gegenüber. "Das Altenzentrum Neuwerk ist das beste Beispiel, dass ökologisches Bauen auch ökonomisch sinnvolles Bauen ist", lobt Dipl.-Ing. Rainer van Loon von der Energieagentur NRW.

Passivhäuser liegen mit ihrem Heizenergieverbrauch rund 80 Prozent unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Niedrigenergie-Standard. Sie zeichnen sich durch eine höchstmögliche Dämmung aus. Zusätzlich zur luftdichten Gebäudehülle werden besonders gut gedämmte Fenster verwendet. Auf ein aktives Heizsystem kann deshalb
weitgehend verzichtet werden. In den Bewohnerzimmern des Altenpflegezentrums Neuwerk gibt somit auch keine Heizkörper, sondern lediglich kleine Luft-heizregister für sehr kalte Tage. Frischluft wird über eine Lüftungsanlage zugeführt, die vom Kölner Ingenieurbüro Nordhoff geplant worden ist. Die Luft gelangt dabei erst nach dem Weg über einen im Erdreich verlegten Wärmetauscher ins Gebäude. Auf diese Weise wird sie im Sommer vorgekühlt und im Winter vorgewärmt.

Passivhäuser bieten dank der hervorragenden Isolierung eine hohe Wohnqualität gerade für ältere Menschen: "Bewohner von Altenpflegeheimen möchten - auch wenn durch körperliche Beschwerden die Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist - von drinnen am Leben draußen teilnehmen. Deshalb sitzen sie gerne in der Nähe des Zimmerfensters", so Rongen. Deshalb sei es besonders wichtig, dass dort keine durch Thermik bedingten Zugerscheinungen auftreten. Das neue Altenpflegezentrum wurde speziell für an Demenz Erkrankte geplant und bietet in acht Wohnungen Raum für insgesamt 80 Bewohner. Die beheizte Nutzfläche beträgt 4.000 Quadratmeter. Rechnerisch ergibt sich ein Energieverbrauch für die Raumheizung von nur 4,1 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Die Energieagentur NRW bietet zum Thema Passivhausbauweise Initialberatung und Weiterbildungsangebote an.

Aus Holz.de Portal der Holzwirtschaft.











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